Steckst Du auch in einer Filter-Blase?
Wahrscheinlich verwendest Du regelmäßig Facebook oder andere soziale Netzwerke, bei denen Du bestimmten Beiträgen folgst und dich mit Freunden und Bekannten über diese austauschst. Ist Dir da aufgefallen, dass die Werbung oder die Beiträge meistens in Deinem Interessengebiet liegen und Du diese oder ähnliche Seiten eventuell schon einmal angeklickt hast? Oder, dass dir auf Google meistens die Seiten zuerst angezeigt werden, auf denen Du bereits warst? Dann steckst Du in der Filter-Blase. Doch was genau steckt nun dahinter?
Der Begriff ‚Filter-Blase‘ geht auf Eli Pariser zurück. Der Online Aktivist veröffentlichte 2011 ein Buch mit dem Titel „The Filter Bubble – What the Internet is Hiding from You“ und brachte damit erstmals das Thema Filter-Blase in die Medien. Darin beschreibt er unter anderem, wie die Google- und Facebook-Algorithmen uns und die Informationen, die wir erhalten, beeinflussen [1].
In einem Interview über das Thema sagt Eli Pariser „Since Dec. 4, 2009, Google has been personalized for everyone. So when I had two friends this spring google "BP," one of them got a set of links that was about investment opportunities in BP. The other one got information about the oil spill.“ [2] (sinngemäß übersetzt: „Seit dem 4. Dezember 2009 ist Google personalisiert. Wenn also zwei meiner Freunde in diesem Frühjahr „googleten“, bekam der eine Links, die über Investitionsmöglichkeiten bei BP informierten. Der andere bekam Informationen über das Öl-Leck“). Für uns heißt das, dass wir keinen direkten Zugang mehr zu allen Informationen haben, die wir vorher erhalten haben.
Aber sind personalisierte Daten wirklich etwas Schlechtes? Oftmals findet man ja, trotz oder gerade wegen des Algorithmus die Informationen, die man sucht. Wir können uns ja schlecht über fehlende Informationen aufregen, da wir gar nicht wissen, dass diese existieren. Auch Google sagt dazu, dass sie nur die Informationen zeigen, die für uns wahrscheinlich relevant sind [3], was man an sich ja nicht verurteilen muss. Google versucht wohl das Suchen im Internet erleichtern, denn oft erspart uns der Algorithmus ewiges Suchen – oder wann bist du bei deiner letzten Google-Suche nicht auf den ersten beiden Seiten der Suchergebnisse fündig geworden?
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Ein Journalist fragte Mark Zuckerberg mal, weshalb der News Feed auf Facebook wichtig sei und bekam diese Antwort: „a squirrel dying in your front yard may be more relevant to your interests right now than people dying in Africa.“ [6]. (Sinngemäß übersetz: Ein Eichhörnchen, welches in deinem Vorgarten stirbt, kann für dich gerade wichtiger sein, als sterbende Menschen in Afrika.) Dieses Beispiel mag hart klingen, aber ist es nicht wirklich so, dass das aktuelle Geschehen in unserer Nähe mehr Aufmerksamkeit von uns bekommen, als die in der Welt weit entfernt? Über mich kann ich sagen: Ja, ich rede viel mehr darüber, wenn in meiner Gegend ein Kind ermordet wurde, als wenn einem Kind in Japan dasselbe geschieht.
Dabei können wir selbst entscheiden, wie der Algorithmus auf uns abgestimmt wird, nämlich durch unsere Profilangaben bei Facebook oder durch unser Klickverhalten. Dazu sagt Mark Zuckerberg: „The question isn't 'What do we want to know about people?' It's, 'What do people want to tell about themselves?“ [7] (Sinn gemäß übersetzt: Die Frage lautet nicht 'Was wollen wir über die Leute wissen?', sondern, 'Was wollen uns die Leute über sich selbst sagen?'). Die Filter-Blase, in der wir also stecken, scheint also auf uns angepasst zu sein und kann von uns beeinflusst werden, je nachdem wie wir uns im Internet verhalten. Google CEO Eric Schmidt sagt dazu: „It will be very hard for people to watch or consume something that has not in some sense been tailored for them“ [8] (Sinngemäß übersetzt: Es wird für die Menschen schwierig werden, etwas zu sehen oder zu konsumieren, das nicht in irgendeiner Weise auf sie zugeschnitten ist).
Wie umgehen wir die Filter-Blase nun am Besten?
Einmal können wir natürlich darauf achten, dass wir so wenige Informationen wie möglich von uns preisgeben. Wenn man nicht daran vorbeikommt, bei einer Anmeldung persönliche Daten angeben zu müssen, z.B. bei Facebook, kann man einfach ein falsches Geburtsdatum und einen Nicknamen angeben, unter dem die Freunde einen dennoch finden können.Man kann bei vielen Seiten vorher in die Datenschutzerklärungen schauen, z.B. bei Google, und schon abwägen, ob man das möchte oder nicht. Bei Google kann man unter anderem eine Einsicht darüber bekommen, wie sie an unsere Daten kommen, welche Daten vor allem interessieren und wozu diese verwendet werden. Neben den Daten die gesammelt werden, um uns personalisierte Inhalte zu liefern, schreibt Google, dass sie auch zum Schutz von Google und deren Nutzern dienen würden [9]. Mit den Vor- und Nachteilen des Sammelns von (persönlichen) Nutzerdaten ließe sich ein eigener Blogeintrag füllen, daher wollen wir hier keine Stellung nehmen.
Wenn man Google allerdings ganz abschwören möchte, kann man auch zu anderen Suchmaschinen greifen, wie zum Beispiel DuckDuckGo [10] und unbubble [11]. Diese Suchmaschinen werben mit einem hohen Datenschutz und neutralen Suchergebnissen. So kann man also auch an nicht-personalisierte Informationen kommen. Des Weiteren kann man versuchen in Sozialen Netzwerken nicht nur Personen oder Seiten zu folgen, deren Meinung man selber ist, sondern auch konträren Seiten zu folgen. So bekommt man als Nutzer nicht nur eine politische Meinung mit und kann sich besser kritisch mit der eigenen und der anderen Meinung auseinandersetzen.
Der Autor des Buches "The Filter Bubble" betreibt mit seinen Gleichgesinnten eine Internetseite, auf der man Geschichten finden kann, die die Welt verändern könnten: upworthy.com. Auf dieser Seite liegt der Fokus auf den Themen, die von anderen Medien wenig oder gar nicht berücksichtigt werden [12].
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Ich persönlich finde die Filter-Blase nicht so schlecht, denn oftmals möchte ich die personalisierten Informationen finden, die mir Facebook und andere sozialen Netzwerke bieten. Zum Beispiel sehe ich in Twitter nur die Nachrichten, die mich interessieren, die ich also auf jeden Fall lese und nicht überlese und manchmal klicke ich auch auf Werbung, da sie mich interessiert und manchmal finde ich die Seite dahinter auch wirklich ansprechend und interessant. Trotzdem ist es wichtig, dass in Zukunft mehr darauf hingewiesen wird, dass man personalisierte Informationen erhält und eine Möglichkeit bekommt, diese und bestimmte Algorithmen auf sozialen Netzwerken oder Google deaktivieren und je nach Bedarf wieder aktivieren kann. Bis dahin ist es wichtig, dass jeder von uns weiß, inwieweit wir selbst der Filter-Blase ausweichen können.
Die Quellen:
[1] Eli Pariser (2011): The Filter Bubble. What the Internet is Hiding from You. London: Penguin Books.
[2] Lynn Parramore (10.10.2010): Interview about The Filter Bubble. Interview mit Eli Pariser. The Atlantic - The Daily Dish. Online im Internet: https://www.theatlantic.com/daily-dish/archive/2010/10/the-filter-bubble/181427/, zuletzt abgerufen am 08.11.2017.
[3] Bryan Horling (04.12.2009): Personalized Search for everyone. In: Offizieller Blog der Google LLC. Online verfügbar unter https://googleblog.blogspot.de/2009/12/personalized-search-for-everyone.html, zuletzt geprüft am 08.11.2017.
[4] Bild ist lizenzfrei und abrufbar unter: https://www.pexels.com/photo/google-search-engine-on-macbook-pro-40185/, abgerufen am 08.11.2017
[5] Hannah Lühmann (06.05.2013): Das Geheimnis der Echokammer, in der Frankfurter Allgemeine, Online im Internet: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/zukunft-der-zeitung-das-geheimnis-der-echokammer-12173291.html, zuletzt abgerufen am 19.11.2017
[6] Mark Zuckerberg auf Seite 296 in David Kirkpatrick (2011): The Facebook Effect. The Inside Story of the Company That Is Connecting the World. New York: Simon & Schuster Paperbacks.
[7] Charlie Rose: Interview with Facebook C.E.O. Mark Zuckerberg and C.O.O. Sheryl Sandberg. Rebroadcast of parts of the Interview in 2011. Online verfügbar unter https://charlierose.com/videos/16518, zuletzt geprüft am 03.11.2017.
[8] Holman W. Jenkins Jr. (2010): Google and the Search for the Future. The Web icon's CEO on the mobile computing revolution, the future of newspapers, and privacy in the digital age. In: The Wall Street Journal, 14.08.2010. Online verfügbar unter https://www.wsj.com/articles/SB10001424052748704901104575423294099527212, zuletzt geprüft am 19.11.2017.
[9] Google LLC (2017): Datenschutzerklärung & Nutzungsbedinungen. Online im Internet. Online verfügbar unter https://www.google.com/intl/de/policies/privacy/#infocollect, zuletzt aktualisiert am 02.10.2017, zuletzt geprüft am 12.11.2017.
[10] Die Suchmaschine DuckDuckGo Online im Internet: https://duckduckgo.com, zuletzt abgerufen am 12.11.2017
[10] Die Suchmaschine unbubble Online im Internet: https://www.unbubble.eu, zuletzt abgerufen am 12.11.2017
[12] Peter Koechley (2012): Could This Be The Most Upworthy Site In The History Of The Internet? Online im Internet. Online verfügbar unter http://www.upworthy.com/could-this-be-the-most-upworthy-site-in-the-history-of-the-internet, zuletzt aktualisiert am 26.03.2012, zuletzt geprüft am 12.11.2017.
[13] Das Bild von Jeremy Perkins ist lizenzfrei und Online abrufbar unter: https://www.pexels.com/photo/action-ball-ball-shaped-blur-395612/, abgerufen am 12.11.2017


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