Filterblasen - Burst your Bubble



[1]

In den letzten Beiträgen haben wir das Phänomen Filterblase vorgestellt und deren Einfluss auf uns beleuchtet, aber wichtige Fragen sind noch offen: Sollten wir unsere Filterblasen platzen lassen? Was sind die Chancen und was sind die Risiken von Filterblasen?

Warum Filterblasen einen negativen Einfluss haben können

Jeder findet sich irgendwann im Laufe seines Lebens in einer Filterblase wieder, vor allem wenn man im Internet unterwegs ist. Ist einem nicht klar, dass es Filterblasen gibt, kann das, was man im Internet mitbekommt, stark von der Realität abweichen. Ich habe das bei der Präsidentschaftswahl 2016 in Amerika erfahren. Bevor Hillary Clinton und Donald Trump als Top- Kandidaten feststanden, war auf manchen Internetseiten noch ein anderer Kandidat in vieler Munde: Bernie Sanders. Er kandidierte gegen Hillary Clinton, um die Demokraten zu repräsentieren. Dank dem Internet, glaubte ich, dass Sanders gegen Clinton gewinnen würde, was aber nicht der Realität entsprach und am 8. November 2018 musste ich noch ein weiteres Mal feststellen, dass meine Welt im Internet nochmal stark von der Realität abwich. Es erschien mir, als ob Trump nur negative Kritik abbekommen hätte, aber er gewann die Wahl dennoch und ließ mich erstaunt zurück.

Waren alle Artikel, die ich im Internet gelesen habe nun 'Fake News'?

Mitnichten. Gefangen in einer Filterblase, habe ich nur einen Teil der Realität gesehen. Auf sozialen Webseiten, wie Facebook, werden einem Dank des EdgeRank Algorithmus oft nur Beiträge gezeigt, bei denen Facebook errechnet hat, dass es einen interessieren könnte. Dies widerspricht dem, was Mark Zuckerberg in dem Interview 'The Zuckerberg Interview'[2] mit CNN gesagt hatte. In diesem Video sagt er: „For the last decade, our mission has been to make the world more open and connected.“ (Im letzten Jahrzehnt war unsere Mission, die Welt offener und verbundener zu machen).

[3]

Mark Zuckerberg erwähnt im Interview, dass er die Welt zusammenbringen will, aber auf Facebook werden den Nutzern nur Sachen angezeigt, die sie wahrscheinlich interessieren. Meiner Ansicht nach, bewirkt das eher das Gegenteil. Es sorgt dafür, dass man nur seine eigene Meinung liest und verstärkt. Die Studie von Walter Quattrociocchi et al. zeigt, dass auf Facebook in der Tat Gruppierungen von Menschen entstehen (sogenannte „Echo Chamber“), die ihre eigene Meinung vertreten und unter den einzelnen Gruppen kommt es nur selten zu einem Austausch. [4]

Warum Filterblasen trotz allem positive Seiten haben

Man sollte Filterblasen aber auch nicht komplett verurteilen, und wie schon in den vorherigen Einträgen erwähnt, gibt es Filterblasen nicht erst seitdem das Internet populärer geworden ist. Menschen suchen sich lieber Gleichgesinnte als Freunde und sind Gewohnheitstiere.
Dazu kommt, wie praktisch Algorithmen sind, die schon wissen, was ich will. Dadurch lassen sich schnell und ohne großen Aufwand Dinge in Erfahrung bringen die uns betreffen und interessieren. Wir sparen dadurch Zeit, die wir nun anders verbringen können. Manche Leute werden auch von bestimmten Sachen 'getriggert' Das bedeutet, dass manche Themen, wie z.B. Magersucht oder Spinnen, bestimmte Gefühle und Reaktionen auslösen, wie Herzrasen, Lähmung, Panik, usw. Dank Filterblasen müssen sich diese Leute weniger Sorgen machen, auf etwas in der Art zu stoßen, wenn sie im Internet unterwegs sind.
Filterblasen haben also auch ihre guten Seiten.

Also wie sollte man mit Filterblasen umgehen?

Man kann niemanden vorschreiben, wie man mit Filterblasen umgehen sollte, aber die Idee von Mark Zuckerberg ist meiner Meinung nach ein gutes Ziel. Man sollte die Welt näher zusammenbringen, aber Filterblasen könnten dies erschweren. In einer Studie von Eduardo Graells-Garrido et al. [5] wurden auf Twitter verschiedene Nutzer-Profile erstellt. Der Grund Gedanke war, obwohl Menschen in einem bestimmten Thema zwar unterschiedliche Ansichten haben, würden sie bei einem anderen Thema wieder miteinander übereinstimmen. Darauf basierend wurde ein Programm entwickelt, das auf die andere Person verweist und dadurch wurden die Menschen mit viel mehr Meinungen konfrontiert als nur mit ihrer eigenen.

Das Ergebnis war, dass Menschen offener gegenüber Veränderung waren und immer noch den gleichen Zufriedenheitsfaktor hatten, wie andere Nutzer. Diese Feststellung zeigt uns, dass Menschen auch ohne die gewohnte Filterblase gut im Internet auskommen und dabei keine besonderen Nebenwirkungen erleben.
Es wäre interessant zu erforschen, was passieren würde, wenn Facebook über Nacht sein EdgeRank Algorithmus, den wir im letzten Blogeintrag angesprochen haben, abschalten würde und was die Folgen wäre. (Vorausgesetzt Facebook würde sich auf ein solches Experiment einlassen.) Auch bei Google ist eine Abschaffung des PageRank Algorithmus sehr unwahrscheinlich, da ein großer Teil der Nutzer Google verwenden, da es die besten Ergebnisse liefert. [6] Dies stellt die unten aufgeführten Grafik dar. Es ist deutlich zu erkennen, dass mehr als die Hälfte der Teilnehmer einer Umfrage, Google verwenden, weil es ihnen die besten Ergebnisse liefert. Bei einer Abschaffung des PageRank Algorithmus, in dieser komplexen, personalisierten Form müsste Google sehr Wahrscheinlich mit Rückgängen der Nutzerzahlen rechnen.
[6] Eine Umfrage durchgeführt von Shun-Jie Yan. Teilnehmerzahl: 40. Stand 13.01.2018

Internet-Riesen werden ihre Strategie nicht ändern, da Menschen scheinbar gerne in einer Filterblase leben. Man kann schneller gewünschte Ergebnisse finden und muss sich nicht mit anderen Meinungen auseinandersetzen. Dazu kommt, dass zufriedene Nutzer den Firmen mehr Möglichkeiten bieten Daten zu sammeln, die Facebook und Co. zum Beispiel durch einblenden von gezielter Werbung, zu Geld machen können.[7] Deswegen werden die Internet-Riesen wahrscheinlich nichts an ihren Algorithmen ändern. Es liegt also an uns selbst, die Filterblasen zum Platzen zu bringen, wenn man eine offene Sicht auf die Welt haben will.
Zum einen kann man in sozialen Netzwerken Nutzer beobachten, die einer anderen Partei angehören und zum anderen Suchmaschinen verwenden, die keine Nutzerdaten speichern und so ein Suchergebnis liefern, welches nicht spezifisch an den Nutzer angepasst ist. Beispiele dafür sind DuckDuckGo oder StartPage SSL.
Eine weitere Option ist es, mehrere seriöse Nachrichtenagenturen zu abonnieren und zu der gleichen Meldung mehrere Artikel zu lesen, um verschiedene Sichtweisen zu sammeln. Aber am Ende steht es jedem selbst zu in seiner Blase zu verweilen oder seine Blase platzen zu lassen.
Wer nicht auf die Vorteile seiner Filterblase verzichten möchte, sollte sich nur darüber bewusst sein, dass es sich nur um einen (verzerrten) Ausschnitt der Realität handelt. Dies soll auch die Moral des Blogs sein. Das Internet ist ein toller Ort, die zunehmende Personalisierung verändert das Netz. Dies sollte jedem im Umgang mit diesem Medium bewusst sein, denn nur dann, kann man damit richtig umgehen.



Quellen:

[1] Die Grafik wurde von Shun-Jie Yan 2018 erstellt.
[2] Heather Kelly (2017), „The Zuckerberg Interview“, CNN tech, Online im Internet: http://money.cnn.com/2017/06/22/technology/facebook-zuckerberg-interview/index.html, zuletzt aufgerufen am 13.01.2018
[3] Das Bild von Jens Johnsson ist lizenzfrei und aufrufbar unter: https://unsplash.com/photos/oatYheJMm9E, zuletzt aufgerufen am 11.01.2018
[4] Quattrociocchi, Walter and Scala, Antonio and Sunstein, Cass R. (2016), “Echo Chambers on Facebook”, abrufbar unter: https://ssrn.com/abstract=2795110, zuletzt aufgerufen am 12.01.2018
[5] Eduardo Graells-Garrido, Mounia Lalmas, Daniele Quercia (2013), “Data Portraits: Connecting People of Opposing Views” abrufbar unter: https://arxiv.org/abs/1311.4658, zuletzt aufgerufen am 12.01.2018
[6] Shun-Jie Yan (2018), „Why do You use Google?“, Umfrage und Ergebnisse einsehbar unter: https://docs.google.com/spreadsheets/d/1UQYUS2dopn0ubhWsltkYCQbmRxKd5GgpS1hOoq2FtDs/edit?usp=sharing
[7] Lori Andrews, The New York Times (2012), “Facebook Is Using You“,abrufbar unter: 
 http://www.nytimes.com/2012/02/05/opinion/sunday/facebook-is-using-you.html, zuletzt aufgerufen am 17.01.2018
 



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Steckst Du auch in einer Filter-Blase?

Welchen Einfluss hat die Filterblase?